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Stadtnachrichten 2012

Zur Erinnerung an den Familien- und Heimatforscher Alfons Brauchle (1912-1997)


Der beste Kenner der Herrschaft Schramberg –
Vor 100 Jahren wurde der Familien- und Heimatforscher Alfons Brauchle (1912-1997) geboren

Von Stadtarchivar Carsten Kohlmann

Über mehrere Jahrhunderte war Schramberg der Mittelpunkt einer Adelsherrschaft im mittleren Schwarzwald. Die Geschichte der Herrschaft Schramberg war das Lebensthema des Lokalhistorikers Alfons Brauchle, der heute vor 100 Jahren geboren wurde.

Für die Geschichte seiner Heimat hatte sich Alfons Brauchle bereits als Schüler begeistert. Als Sohn des Reichsbahnbeamten Albert Brauchle (1883-1948) und seiner Ehefrau Auguste Brauchle (1889-1980) wurde er am 16. Mai 1912 in Erbach bei Ehingen an der Donau geboren. Sein Vater war 1907 durch seinen Beruf nach Schramberg gekommen und hatte 1911 seine aus der Familie der „Rappen-Mayer“ in Schramberg stammende Mutter geheiratet. 1911 wurde Albert Brauchle nach Erbach versetzt, ließ sich aber 1924 wieder nach Schramberg versetzen, da Auguste Brauchle in ihre Heimat zurückkehren wollte.

Alfons Brauchle besuchte in Schramberg von 1924 bis 1927 die Realschule. Im Alter von 15 Jahren begann er nach dem Abschluss als „Einjähriger“ mit der Ausbildung zum Volksschullehrer am Katholischen Lehrerseminar in Saulgau, an dem der bedeutende Sprach-, Namen- und Familienforscher Josef Karlmann Brechenmacher (1877-1966) unterrichtete, der ihn nachhaltig prägen sollte. Nach Lehr- und Wanderjahren als „unständiger Lehrer“ in ganz Württemberg und dem Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg erhielt er nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Herbst 1945 eine Stelle an der Volksschule in Hardt, die er von 1965 bis 1977 auch als Rektor leitete.
In seiner Freizeit beschäftigte sich der junge Lehrer intensiv mit der Geschichte seiner Umgebung. Graf Cajetan von Bissingen (1870-1956) und später auch Graf Franz von Bissingen (1892-1970) ermöglichten ihm, die in ihrem Familienarchiv überlieferten Quellen zur Geschichte der Herrschaft Schramberg auswerten zu können, die er dadurch wie kein anderer kannte. Auf dieser Grundlage entstanden seit 1948 zahlreiche Vorträge, Berichte für die Lokalpresse, Beiträge zur Festschriften und Aufsätze für Zeitschriften wie die „D’Kräz“ des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg, zu dessen Gründern Alfons Brauchle selbstverständlich gehörte. Bereits früh engagierte er sich 1955 auch für ein Heimatmuseum in Schramberg und rief 1976 eine Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte und Volkskunde ins Leben.

Ein besonderes Meisterwerk ist das Stadtporträt „Schramberg“ für die Wochenendbeilage des Schwarzwälder Boten am 25. Juli 1965: „Ja, Schramberg ist wirklich eine Stadt voller Wunder und Schönheiten! Wohl selten bildet eine Stadt mit der Landschaft, in die sie eingebettet ist, eine solch organische Einheit […] Der Tannenduft der Wälder ist bis hinein in die Hauptstraßen zu verspüren, überall blicken die Berge, Ruinen (wo gibt es eine Stadt mit drei Ruinen?) und Felsen hinein in das Leben einer quicklebendigen Stadt […] So sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Natur, Kulturlandschaft und Mensch in diesem Tal zu einer seltenen Einheit zusammengewachsen, und kein Fremder, der erstmals diese ‚größte Stadt im Schwarzwald’ erlebt, wird sich ihrer Ausstrahlung entziehen können.“

Aber auch seinem Wohnort Hardt machte Alfons Brauchle mit einem 1985 erschienenen und vor kurzem wieder neu aufgelegten Heimatbuch ein großes Geschenk. Die Gemeinde Hardt würdigte das großartige Werk mit der Ehrenbürgerschaft. Im Alter bereitete ihm sein immer schlechter werdendes Augenlicht leider große Sorgen und führte am Ende auch dazu, dass er seine Forschungs- und Publikationstätigkeit einstellen musste. Seine zunehmende Hilfsbedürftigkeit veranlasste Maria Brauchle (1918-2001), mit ihrem Mann 1993 in ihre Heimatstadt Münster in Westfalen umzuziehen, wo er am 22. Juli 1997 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.

Das von ihm aufgebaute Archiv übergab er noch zu Lebzeiten an das Stadtarchiv Schramberg und die Gemeinde Hardt, wo die von ihm über Jahrzehnte zusammengetragenen Unterlagen von allen Interessierten zur weiteren Erforschung der Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg in seinem Sinne benützt werden können.

Der Vermessungsingenieur Emil Mistele (1928-1993), Graf Franz von Bissingen (1892-1970) und Alfons Brauchle (1912-1997) am 5. Juli 1969 auf Schloss Hohenstein, wo die Familie der Grafen von Bissingen seit 1923 ansässig ist.
Der Vermessungsingenieur Emil Mistele (1928-1993), Graf Franz von Bissingen (1892-1970) und Alfons Brauchle (1912-1997) am 5. Juli 1969 auf Schloss Hohenstein, wo die Familie der Grafen von Bissingen seit 1923 ansässig ist.
Foto: Privatbesitz Carsten Kohlmann (Oberndorf am Neckar)

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