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Stadtnachrichten 2012

Zum Volkstrauertag am 18. November 2012


Von Carsten Kohlmann

Zum Volkstrauertag lädt die Stadt Schramberg am Sonntag zu mehreren Gedenkfeiern ein. Außer den Denkmälern auf den Friedhöfen erinnert in Schramberg auch ein Ehrenmal der 205. Infanterie-Division an den Zweiten Weltkrieg, das vor 50 Jahren eingeweiht wurde.

Etwa ein Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schlossen sich in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland zahlreiche ehemalige Soldaten der Wehrmacht in Traditionsverbänden zusammen, die der Interessenvertretung, Kameradschaftspflege und Sozialbetreuung dienten. Einer dieser Traditionsverbände war das Kameradenhilfswerk der 205. Infanterie-Division, die nach ihrem Erkennungszeichen als „Pilz-Division“ bezeichnet wurde. Zur Gründung dieses Traditionsverbandes kam es durch eine Initiative von Karl Bäuerle (1901-1979), Geschäftsführer der Betriebskrankenkasse der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans in Schramberg, der in der 205. Infanterie-Division als Major gedient hatte und mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet worden war. Seine vielseitigen Beziehungen kamen der Organisation der Divisionstreffen sehr zu gute.
Die 205. Infanterie-Division wurde seit 1936 im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht in der Zeit des Nationalsozialismus als 14. Landwehr-Infanterie-Division mit Hauptquartier in Freiburg im Breisgau aufgestellt und nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zum 1. Januar 1940 in 205. Infanterie-Division umbenannt. Nach der Beteiligung an der Eroberung und Besetzung Frankreichs im Jahr 1940 wurde die aus badischen und württembergischen Soldaten bestehende „Pilz-Division“ an der Atlantikküste stationiert.

Anfang 1942 wurde sie mitten im schweren russischen Winter an die Ostfront verlegt und der Heeresgruppe Mitte zugeordnet. Zuletzt war die 205. Infanterie-Division nach Rückzugskämpfen über Litauen und Lettland im Kurland-Kessel eingeschlossen und ging dort nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 in sowjetische Gefangenschaft. Etwa 16.000 Soldaten der „Pilz-Division“ kehrten von der Ostfront nicht mehr in ihre Heimat zurück.

Die Aufklärung der etwa 2000 Vermisstenschicksale war ebenfalls ein wichtiger Grund für die Gründung eines Kameradenhilfs-werkes, das dabei mit dem Deutschen Roten Kreuz eng zusammenarbeitete. Der Suchdienst wurde viele Jahre von dem Rektor Otto Wössner (1904-1990) in Schramberg geleitet. Das erste Treffen des Kameradenhilfswerks fand am 16./17. Oktober 1954 in Freiburg im Breisgau statt. Die nächsten vier Treffen am 12./13. Oktober 1957, am 27./28. Oktober 1962, am 2./4. Juni 1967 und am 6./7. Juni 1970 fanden alle in Schramberg statt, so dass der damalige Bürgermeister Dr. Konstantin Hank (1907-1977) deshalb Schramberg als „Garnisonsstadt der Pilz-Division“ bezeichnete. Auf Bitte des Kameradenhilfswerks stellte die Stadt Schramberg auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderates auf der Sonnenberg-Planie einen Platz für ein Ehrenmal zur Verfügung, dessen Einweihung den Mittelpunkt des Treffens am 27./28. Oktober 1962 bildete. An der Einweihung des Ehrenmals nahmen 4000 Menschen teil. Ein zweites Ehrenmal befindet sich in Lahr, an die „Pilz-Division“ erinnert außerdem eine Inschrift auf dem Kriegerdenkmal im Stadtgarten in Freiburg im Breisgau.

Die nächsten Treffen wurden am 8./9. Mai 1976 und am 5./6. Mai 1979 wieder in Freiburg im Breisgau abgehalten. 1981 gab das Kameradenhilfswerk das Buch „Die 205. Infanterie-Division 1936-1945. Eine Dokumentation in Bildern“ heraus.

Im Lauf der Jahre ging die Zahl der Mitglieder des Traditionsverbandes altersbedingt immer mehr zurück. Nach dem Tod des ersten Vorsitzenden Uli Adolf Reimold in Leinfelden-Echterdingen kam es 2001 zur Auflösung. Die Stadt Schramberg erhielt dabei einen Geldbetrag zur Pflege des Ehrenmals. Ein letztes kleines Treffen fand 2002 in Schramberg statt. Seitdem bestand nur noch ein kleiner Stammtisch in Stuttgart. Einige Unterlagen zur Geschichte der „Pilz-Division“ und des Kameradenhilfswerks wurden von Gisela Reimold dem Stadtarchiv Schramberg übergeben.

Bei der Einweihung des Ehrenmals am 28. Oktober 1962 versprach Bürgermeister Dr. Konstantin Hank, „daß die Stadt dieses Denkmal pflegen werde zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten.“ Diese Aufgabe wird heute vom Stadtarchiv Schramberg erfüllt, das sich darum bemüht, die Dokumentation zur Geschichte der „Pilz-Division“ weiter auszubauen.

50 Jahre Ehrenmal Pilzdivision
Die Einweihung des Ehrenmals der 205. Infanterie-Division am 28. Oktober 1962.
Foto Kasenbacher GmbH Schramberg

50 Jahre Ehrenmal Pilzdivision
Major Karl Bäuerle (1901-1979) mit dem Deutschen Gold in Kreuz.
Stadtarchiv Schramberg

50 Jahre Ehrenmal Pilzdivision
 Eine Einheit der 205. Infanterie-Division beim Vormarsch in Russland im Winter 1941/42.
Stadtarchiv Schramberg

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