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Bürgermeister und Ehrenbürger von Tennenbronn - Zum Gedenken an Josef Kaltenbacher (1910-2011)


Von Josef Kaltenbacher, dem am 14. Februar im Alter von 100 Jahren verstorbenen Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde und des heutigen Stadtteils Tennenbronn, gibt es viele Bilder, die in Erinnerung bleiben werden.

Ein besonders schönes Bild, das der Fotograf Christoph Ziechaus zu seinem 90. Geburtstag aufgenommen hat, zeigt ihn bei der Arbeit auf seinem geliebten Bauernhof „Auf dem Berg“, wo er bis ins hohe Alter mithalf, solange es seine Kräfte zugelassen haben. Noch mit 90 Jahren stand er morgens früh auf, um nach den Nachrichten um 7 Uhr die Stallarbeit zu machen. Das Futter mähte er nach alter Tradition mit der Sense. Das Bild steht symbolkräftig für den Lebensweg eines der letzten Dorfbürgermeister des Schwarzwaldes, die früher oft aus dem Bauernstand kamen und ihre Gemeinden mit starker Bodenhaftung führten.

Aufnahme von Christoph Ziechaus anlässlich des 90. Geburtstages von Josef Kaltenbacher
Foto: Christoph Ziechaus (Hardt)


Die Landwirtschaft und die Kommunalpolitik waren Josef Kaltenbacher von Kindheit an vertraut. Sein gleichnamiger Vater Josef Kaltenbacher war neben der Landwirtschaft auf seinem Bauernhof als Ratsschreiber für die Gemeinde Katholisch Tennenbronn tätig und wurde im Ersten Weltkrieg zum provisorischen Bürgermeister ernannt. 1919 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Katholisch Tennenbronn und 1922 nach der Vereinigung mit der Gemeinde Evangelisch Tennenbronn auch zum Bürgermeister der Gesamtgemeinde Tennenbronn gewählt. Das Zusammenwachsen der beiden über Jahrhunderte getrennten Gemeinden war ihm und später auch seinem Sohn ein großes Anliegen.

Sein am 5. September 1910 geborener Sohn Josef Kaltenbacher – eines von insgesamt neun Kindern der großen Bauernfamilie – arbeitete von Anfang an in der Landwirtschaft seiner Eltern auf dem Langenberg mit. „Eigentlich habe ich keinen Beruf erlernt“, meinte er einmal im Rückblick, er konnte sich aber durch den zeitweiligen Besuch der Landwirtschaftsschule in Villingen und der Handelsschule in Sankt Georgen doch wichtiges Rüstzeug aneignen, das ihm später bei seinen vielseitigen Aufgaben zugute kam. Durch die Mitarbeit im Landwirtschaftlichen Kreditverein konnte er weitere Erfahrungen sammeln.

Wie so viele andere seiner Generation wurde er am 28. August 1939 zum Kriegsdienst eingezogen und kam zum Kriegseinsatz nach Finnland. Im Frühjahr 1945 kehrte er nach Deutschland zurück und geriet bei Kriegsende am 8. Mai 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Wie im Krieg, in dem er unverletzt blieb, hatte er auch in der Gefangenschaft Glück, da er bereits am 26. Juni 1945 entlassen wurde und in seine Heimat zurückkehren konnte. Auch seine sechs Brüder hatten das Glück, alle wieder nach Hause kommen zu können.
Nach verlorenen Jahren in Krieg und Gefangenschaft wollte Josef Kaltenbacher so bald wie möglich eine Familie gründen und fand mit Anna Moosmann aus Tennenbronn eine gute und treue Partnerin, die er am 22. Oktober 1945 heiratete. Der Familie wurden sechs Kinder geschenkt.

Wenig später bekam auch sein berufliches Leben eine neue Richtung. Da sein Vater aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft als Bürgermeister von der französischen Besatzungsmacht abgesetzt worden war, wurde in Tennenbronn ein neuer Bürgermeister gesucht und das Amt an ihn herangetragen. Am 19. November 1945 wurde er – als einer von insgesamt zwanzig neuen Bürgermeistern – von der französischen Militärregierung in Villingen zum Bürgermeister ernannt, zunächst provisorisch, bald darauf am 5. Dezember 1945 von der Bürgerschaft aber auch gewählt. 1946 gründete er zusammen mit einigen anderen Männern aus der katholischen Bevölkerung in Tennenbronn eine Ortsgruppe der Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV) und setzte sich tatkräftig für den demokratischen Neubeginn ein. 1947 ging diese Nachkriegsgründung im damaligen Land Baden der allgemeinen Entwicklung folgend in der Christlich-Demokratischen Union (CDU) auf, die für Josef Kaltenbacher zeitlebens seine politische Heimat blieb.

In seiner 24-jährigen Amtszeit von 1945 bis 1969 verstand es Bürgermeister Josef Kaltenbacher, die Infrastruktur der Gemeinde Tennenbronn und ihrer wachsenden Bevölkerung vorbildlich zu verbessern. Durch die gute wirtschaftliche Entwicklung in der jungen Bundesrepublik, insbesondere der beiden örtlichen Industriebetriebe Schneider und Zehnder, wandelte sich Tennenbronn seit den 1950er-Jahren vom alten Bauerndorf zur modernen Landgemeinde. Mehrere Großprojekte fielen in seine Amtszeit, etwa die vollständige Elektrizitätsversorgung der zum Teil weit verstreuten Gemeinde, der Bau der Fest- und Sporthalle, einer neuen Grund- und Hauptschule und die Anlage eines Sportplatzes. Daneben förderte er den Straßen- und Wohnungsbau. Großen Wert legte er zudem auf eine gute Berichterstattung im „Tennenbronner Anzeiger“, der dadurch auch zu einer wichtigen Chronik für die Ortsgeschichte wurde.

Über seine berufliche Arbeit als Bürgermeister hinaus war für Josef Kaltenbacher auch ein vielfältiges ehrenamtliches Engagement charakteristisch. Er gehörte von 1959 bis 1971 dem Kreistag des damaligen Landkreises Villingen an, war sechs Jahre Stellvertreter des Landrates und führte ebenfalls sechs Jahre die CDU-Fraktion. Außerdem war er von 1962 bis 1969 im Vorstand des Verbandes der badischen Gemeinden, 25 Jahre Vorsitzender der Spar- und Kreditbank Tennenbronn und gehörte dem Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde Sankt Johann in seinem Heimatort an. Dem örtlichen Vereinsleben, namentlich den beiden Musikvereinen Frohsinn und Harmonie, war er eng verbunden und erhielt gut ein Dutzend Ehrenmitgliedschaften. „Was fällig war, war fällig“, sagte er einmal im Rückblick auf seine unermüdliche Bereitschaft, für die Dorfgemeinschaft Verantwortung zu übernehmen.
Als er sich 1969 nach 24 Amtsjahren in Tennenbronn zur Wiederwahl stellte, verlor er gegen seinen jungen Herausforderer Gerhard Rückgauer. In der Zeit der beginnenden Kreis- und Gemeindereform war es in Tennenbronn zu einer Wechselstimmung gekommen. Seine Verdienste um das Wohl der Gemeinde blieben jedoch unbestritten und wurden durch seinen Amtsnachfolger am 19 November 1970 mit der Ehrenbürgerschaft gewürdigt. Für diese Anerkennung bedankte sich Josef Kaltenbacher mit zwei Trachtenpaaren aus Evangelisch und Katholisch Tennenbronn, die im Rathaus aufgestellt wurden und bis heute in der Ortsverwaltung zu sehen sind.

Nach seiner Amtszeit zog er sich nicht in das Privatleben zurück, sondern baute sich mit der Gründung des ökumenischen Altenwerkes im Jahr 1973 ein neues Betätigungsfeld auf. Bis 1986 organisierte er die regelmäßigen Begegnungen und Ausflüge, die vielen Menschen mehr Lebensfreude brachten. Bis ins hohe Alter pflegte er auch seine persönlichen Kontakte durch regelmäßige Besuche der Stammtische in den Gasthäusern „Schützen“ am Donnerstag und „Adler“ am Freitag, wo er als anekdotenreicher und humorvoller Erzähler von seinen Mitbürgern ebenfalls sehr geschätzt war.

Seit 1994 war er verwitwet und wurde mit fortschreitendem Alter von seiner Familie versorgt. Die Lebensleistung des auf den 100. Geburtstag zugehenden Alt-Bürgermeisters würdigten das Land Baden-Württemberg und die Stadt Schramberg am 4. April 2008 mit der Staufermedaille, die ihm von Innenminister Heribert Rech persönlich überreicht wurde. Im Kreis seiner Familie und seiner Mitbürger konnte er sich am 5. September 2010 zuletzt über einen großes Fest zu seinem 100. Geburtstag freuen, den er noch in einer bemerkenswert guten geistigen und körperlichen Verfassung erleben konnte.

Sein hohes Alter konnte er oft selbst nicht begreifen. Zu seinem 90. Geburtstag sagte er, dass er mittlerweile oft „über das Ziel des Lebens“ nachdenken würde. „Das hab’ ich von meinen 90 Jahren 88 Jahre nicht getan.“ Im Alter von 100 Jahren konnte er auf ein außerordentlich erfülltes Leben zurückblicken. Den ehemaligen Bürgermeister und Ehrenbürger werden Schramberg und Tennenbronn in guter Erinnerung behalten.


Josef Kaltenbacher und Oberbürgermeister Dr. Zinell beim Empfang anlässlich des 100. Geburtstages Josef Kaltenbachers
Josef Kaltenbacher und OB Dr. Zinell am 05.09.2010

Josef Kaltenbacher
Josef Kaltenbacher an seinem 100. Geburtstag am 05.09.2010

Landrat a.D. Autenrieth gratuliert zum 100. Geburtstag
Landrat a.D. Autenrieth und der Jubilar am 05.09.2010

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