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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 28.01.2019


Ein Leben zum Wohl der Stadt Schramberg –
Erinnerung an Ehrenbürger Moritz Meyer (1889-1970) zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

 
In Kooperation mit „Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.“ wird in der Großen Kreisstadt Schramberg auch in diesem Jahr wieder der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen, in dessen Mittelpunkt die Erinnerung an das Schicksal von Ehrenbürger Moritz Meyer stehen wird.

Die Gedenkfeier beginnt am Montag, 28. Januar 2019, 18.30 Uhr, mit einer Rede und Kranzniederlegung von Oberbürgermeister Thomas Herzog beim Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus und dem Mahnmal „Des Bruders Tod“ des Künstlers Siegfried Haas (1921-2011) bei der Realschule am Mühlegraben. Eine Abordnung der Stadtmusik Schramberg wird die Gedenkstunde umrahmen. Im Anschluss wird Oberstudienrat a.D. Günter Buchholz um 19 Uhr im Lese-Café in der Mediathek in einem Vortrag über das Thema „Moritz Meyer - ein Leben zum Wohl der Stadt Schramberg“ referieren.

1912 erweckte der Bankkaufmann Moritz Meyer (1889-1970) zusammen mit seinem Bruder Leopold Meyer (1879-1957) aus Hessen und einer Gruppe beherzter Facharbeiter die nach der Stilllegung vom Untergang bedrohte Steingutfabrik in Schramberg zu neuem Leben. Unter dem neuen Namen „Schramberger Majolikafabrik“ blieb der Traditionsbetrieb mit dem stolzen Gründungsjahr 1820 dadurch der Industriestadt Schramberg erhalten. Die Produkte des Keramikherstellers wurden in viele Länder exportiert und stellen bis heute wichtige „Heimatschätze“ und „Markenbotschafter“ der Fünftälerstadt Schramberg im Schwarzwald dar.

In der Zeit des Nationalsozialismus machte die damalige Gewaltherrschaft der deutsch-jüdischen Unternehmerfamilie in Schramberg ihre Heimat streitig. Nach der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 wurden die Gebrüder Meyer zusammen mit insgesamt 30.000 anderen deutschen Juden festgenommen und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Unter Druck mussten sie ihre Schramberger Majolikafabrik an den NSDAP-Gauamtsleiter Alfons Zeller (1903-1948) aus Stuttgart weit unter ihrem Wert verkaufen und ihr Leben durch Flucht nach Großbritannien und in die USA retten. Mehrere Familienangehörige fielen dem Mord an den europäischen Juden zum Opfer.

Nach dem Ende der NS-Herrschaft und der Restitution seines Unternehmens kehrte Moritz Meyer als einer der wenigen deutsch-jüdischen Emigranten wieder nach Deutschland und nach Schramberg zurück und wagte in der schwierigen Nachkriegszeit mit seiner Schramberger Majolikafabrik den erfolgreichen Neubeginn. Für seine Lebensleistung wurde er 1964 von seiner Heimatstadt, die er auch kulturell und sozial mit großem Engagement unterstützte, zum Ehrenbürger ernannt. Im Stadtteil Sulgen wurde nach seinem Tod zu seinen Ehren auch eine Straße nach ihm benannt.

Der Referent gehört zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg und arbeitet derzeit an einer Festschrift zum 200-jährigen Jubiläum des heutigen Firmenparks in der ehemaligen Schramberger Majolika-Fabrik, die 2020 erscheinen wird. Dazu konnte er die umfangreichen Quellen im Familien- und Firmenarchiv auswerten und wird auch bisher unbekannte Quellen aus der alten Heimat der Familie Meyer in Steinheim am Main in Hessen vorstellen. Zu der Gedenkfeier und dem anschließenden Vortrag sind alle Bürgerinnen und Bürger, Zeitzeugen aus dem Kreis der ehemaligen Schramberger Majolikafabrik und ganz besonders auch Schülerinnen und Schüler, eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Gedenktag Opfer Nationalsozialismus
Moritz Meyer (1889-1970) mit seiner Ehefrau Julie Meyer (1897-1961) und seinem Sohn Peter Meyer (1922-1980) in den 1930er-Jahren

Foto: Privat

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