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Die Stadt

Rathäuser in Schramberg
Rathausgeschichte 1806 – 1913

von Stadtarchivar Franz Fehrenbacher

Als die Herrschaft Schramberg 1806 aus dem österreichischen Staatsverband ausschied und zum Königreich Württemberg kam, war zunächst ein Unteramtmann Leiter der Verwaltung des Gebietes der früheren Herrschaft Schramberg. Dieser war zugleich auch ernannter Schultheiß von Schramberg. Es war dies Justizamtmann Krauss von Michelbach. Er war zugleich auch Unteramtsrichter. Krauss verließ Schramberg jedoch bald wieder und wurde Oberamtmann in Rottweil. Auch die Vögte in den früheren Stabsorten wurden von Württemberg übernommen. Der Magistrat von Schramberg bestand seinerzeit aus dem Unteramtmann als Schultheiß, dem früheren Talvogt als 2. Ortsvorsteher, dem Beivogt, dem Stabsrechner und neun Richtern.

Rathaus um 1913
Rathaus um 1913

Nach dem Staatsvertrag von 1810 zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden kam die frühere Herrschaft Schramberg (ohne kath. Tennenbronn) zum neugeschaffenen Oberamt und Kammeralbezirk Oberndorf. Die Kreiszugehörigkeit hatte sich damit nicht geändert, Schramberg blieb, wie schon unter Hornberg, beim Kreis Rottweil (Das Königreich Württemberg war damals in 12 Kreise unterteilt) dem seinerzeit als Kreishauptmann Baron Maximilian von Ulm zu Erbach vorstand.

In Schramberg herrschte in den folgenden Jahren bitterste Armut. Als die königliche Kreisregierung in Reutlingen den Bau eines Amtshauses für die neue Verwaltung verlangte, sah sich die Gemeinde außerstande, ein solches zu bauen, es war kein Geld da. Auch als das 1. Schulhaus (vordere Burgschule) 1812 abbrannte, dauerte es fünf Jahre, bis man wieder ein neues bauen konnte.

Als Nachfolger des 1. Unteramtmannes und Schultheißen Krauss wurde Amtmann Karl-Ludwig Harprecht zum Schultheiß in Schramberg ernannt. Er war bei der Bevölkerung sehr unbeliebt. Neben seinem Amt als Ortsvorsteher leitete er auch das Oberzollamt und die Amtsschreiberei, sowie die Kammeralunterpflege. Nach der im Jahre 1819 erschienenen neuen Gemeindeordnung durften erstmals neun Gemeinderäte von den Bürgern des Fleckens gewählt werden. Auch ein Gemeindepfleger stand zur Wahl. Als solcher wurde der damalige Landtagsabgeordnete Anton Jegglin gewählt. Im Jahre 1826 beschwerte sich der Gemeinderat bei der Regierung in Stuttgart, weil immer noch kein von den Bürgern gewählter Schultheiß der Gemeinde vorstand. Doch die Beschwerde wurde abgewiesen, Harprecht blieb weiterhin im Amt.

Die Sitzungen des Gemeinderates fanden in Ermangelung eines Rathauses im Gasthof „Zum Hirsch“ statt. Dieser Zustand wurde vom Oberamt in Oberndorf nachhaltig beanstandet. Daraufhin mietete die Gemeinde den Unterstock des Kaplaneihauses zu Sitzungszwecken. Im Jahre 1831 ging Schultheiß Harprecht in Pension. Nachdem die folgenden Jahre sein bisheriger Stellvertreter, Franz-Joseph Wolber, als Ortsvorstand amtierte, wählten die Bürger von Schramberg am 26.6.1832 erstmals ihren Schultheiß. Es war Amtsaktuar Jegglin, der Sohn des Gemeindepflegers Anton Jegglin. Das Jahresgehalt des Schultheißen betrug damals 500 Gulden. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Schultheißen war der Antrag, den Marktflecken Schramberg zur Stadt zu erheben. Doch aufgrund der niedrigen Einwohnerzahl (2 500) wie auch der geringen Gewerbe- und Ertragslage wurde der Antrag abgelehnt. Schultheiß Jegglin war es auch, der der nun mehr und mehr selbstverwalteten Gemeinde zum ersten Rathaus verhalf.

Das erste Rathaus
Im Jahre 1833 erwarb die Gemeinde zu diesem Zwecke von Joseph Heine die Schildwirtschaft „Zum Ochsen“, gegenüber dem „Hirsch“, um 5 655 Gulden. Dieser „Ochsen“ war, nach dem großen Brand im Jahre 1805, neu gebaut worden und umfasste eine Scheune, Stallungen, eine Metzgerei, Kellerräume, eine Rothgerbereiwerkstatt, Gaststube, Tanzboden und 2 Zimmer im Untergeschoss, sowie eine große Wohnung mit vier beheizbaren Zimmern im Obergeschoss. Nun wurde dieses stattliche Anwesen nach knapp 30 Jahren schon wieder bis auf die Grundmauern abgebrochen und der neuen Verwendung entsprechend, nach den Plänen von Architekt Leins, Stuttgart, als Rathaus neu aufgebaut. Die Baumaßnahme zog sich sehr in die Länge, zum einen, weil während der Bauzeit die Pläne geändert wurden, zum anderen, weil die Handwerker sich sehr viel Zeit ließen. Da wurde Gemeindepfleger und zugleich Gemeindebaumeister Langenbacher vom Gemeinderat beauftragt, die Arbeit der Handwerker fortwährend zu überwachen und diese gegebenenfalls zur Arbeit „anzutreiben“. So gelang es dann auch, den Bau bis 1.4.1835 fertigzustellen. Die Baukosten betrugen 4 300 Gulden, so dass das neue Rathaus auf rund 10 000 Gulden Gesamtkosten zu stehen kam. Zur Finanzierung musste von einer Stiftung in Tübingen ein Darlehen in Höhe von 8 000 Gulden aufgenommen werden. Bauinspektor Nieffer, der den Bau zu überprüfen und abzunehmen hatte, beanstandete einiges und schlug vor, von den „Entre prenneurs“ (Bauunternehmern) Storz, Schuhmacher und Reutter einen gewissen Betrag als Garantiesumme zurückzubehalten.

Dieses erste Rathaus enthielt Parterre das Schrannenlokal (später Kaufhaus), auf der anderen Seite Keller, Wachstube und ein Reserveschulzimmer. In der „Bell-Etage“ (1. Stock) befanden sich die Amtszimmer des Schultheißen und Ratsschreibers, ein großer Ratssaal, die Registratur, ein Arrestlokal und die Wohnung des Amtsdieners. Im Dachstock war die Wohnung für den jeweiligen Ortsvorsteher.

Schultheiß Jegglin hatte mit diesem Rathausbau so viel Ärger, dass ihm die Lust an seiner Schultheißentätigkeit in Schramberg derart verleidete, dass er sein Amt vorzeitig zur Verfügung stellte und als Amtsnotar nach Donzdorf bei Göppingen ging. Als Nachfolger wählten die Schramberger Bürger den Oberndorfer Amtsaktuar Fidel Bollinger. Er wurde am 18.6.1836 vereidigt und stand der Gemeinde bis 1849 vor. Im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 1848 wurde er aufgrund des Urteils eines Disziplinarverfahrens 1849 seines Amtes enthoben.

Rathaus um 1960
Rathaus um 1960

In dem nun neuerbauten Rathaus wurde über Jahrzehnte bewegte Schramberger Geschichte geschrieben, wurden von den Ortsvorstehern German Waller, Albert Holzwarth, Edmund Harrer und Franz Paradeis in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und Bürgerausschuss die Weichen gestellt für das rasche Wachstum, das Emporblühen des einst bettelarmen Marktfleckens zu einer wohlsituierten Industriestadt. Die rasche Zunahme der Bevölkerung einerseits und die rasante Entwicklung der Industrie andererseits verursachten auch bei der Stadtverwaltung vermehrte Aufgaben. Diese erforderten immer mehr städtische Bedienstete, so dass die Räume im Rathaus um die Jahrhundertwende schon knapp wurden. Aus diesem Grunde ließ Stadtschultheiß Holzwarth schon im Jahre 1889 einen Rathausbaufond anlegen, dem jährlich 3 000 Mark aus dem laufenden Etat zugeführt werden sollten. Dieser Betrag wurde zwei Jahre später auf 5 000 Mark erhöht, so dass der Baufond 1907 bereits auf über 100 000 Mark angewachsen war. Das Geld wurde zunächst in Württembergischen Staatsobligationen, später in städtischen Obligationen angelegt.

Als zu Beginn des Jahres 1907 eine gründliche Renovation des Rathauses anstand, kam die Frage auf, ob statt der vorgesehenen Renovation man vielleicht nicht besser dieses Geld für einen Rathausneubau verwenden sollte, da im Rathaus inzwischen

  • die Büroräume nicht mehr ausreichten
  • dieses Haus den feuer- und sicherheitspolizeilichen Vorschriften nicht mehr genügte
  • der einzige Sitzungssaal, sehr oft auch von überörtlichen
    Behörden genutzt wurde und somit den örtlichen Gremien
    nicht zur Verfügung stand
  • ein Wartezimmer für Bürger dringend erforderlich wurde.

Auch hatte man sich bei der ersten Rathausbaurücklage vorgenommen, wenn dieser Betrag auf über 100 000 Mark angewachsen sei, zu bauen. Diese Voraussetzung war nun erfüllt. Die Kosten für einen Neubau wurden auf 150 000 bis180 000 Mark geschätzt.

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