Navigation anzeigen
  • Seite drucken
  • Lage & Anfahrt
  • Facebook
  • Youtube

Unsere Stadt

Aktuelles & Service

Stadtnachrichten 2015

Ausstellung "Mein Kriegsende" erweitert


Erinnerungen und Zeitzeugnisse aus dem Jahr 1945 –
Das Stadtarchiv Schramberg hat die Ausstellung „Mein Kriegsende“ erweitert

 
Im Stadtmuseum wird momentan auf eine sehr persönliche Art und Weise an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren erinnert. Die Ausstellung „Mein Kriegsende“ zeigt Porträts von Zeitzeugen, die das Stadtarchiv nach ihren Erinnerungen an das Schicksalsjahr 1945 befragt hat. Mittlerweile ist die Ausstellung durch weitere Porträts und einige Zeitzeugnisse erweitert worden.

In der Erstfassung der Ausstellung waren 24 Porträts von Zeitzeugen zu sehen, die aus jeweils einem Foto aus der damaligen und einem Foto aus der heutigen Zeit bestehen. In der erweiterten Fassung, die in den Hauptausstellungsräumen auch ein neues Erscheinungsbild bekommen hat, sind sechs neue Porträts von Manfred Arnold, Agnes Budke, Alfred Flaig, Elisabeth Haas, Ida Mayer sowie Aldo Minatel hinzugekommen.
Auch diese Zeitzeugen haben das Kriegsende an ganz unterschiedlichen Orten und auf ganz unterschiedliche Art und Weise erlebt: Manfred Arnold in Zwota im Vogtland, Agnes Budke am Attersee in Oberösterreich, Alfred Flaig in Südfrankreich, Elisabeth Haas und Ida Mayer in Schramberg und Aldo Minatel an der Ostsee. Es lohnt sich deshalb, die Ausstellung erneut zu besuchen. Wie bei einem Mosaik entsteht durch die nun insgesamt 30 Porträts älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger ein beeindruckend vielfältiges Bild der damaligen Zeit.

Bei den Ausstellungsbesuchern hinterlassen die Porträts und Berichte oft einen tiefen Eindruck. Michael Knecht, der vor 30 Jahren seine Heimatstadt verlassen hat, schrieb kürzlich auf der Facebookseite der Großen Kreisstadt Schramberg: „Da ich aus der Jugend viele der interviewten Mitwirkenden kannte, war es faszinierend, zu erfahren, wie sie die Stunde 0 erlebt hatten. Was für mich aber noch wichtiger war, ist die Tatsache, dass diese Ausstellung einmal mehr zeigt, dass die jüngere deutsche Geschichte nicht ‚irgendwo’ oder in den Geschichtsbüchern passiert ist, sondern dass es in unserer Heimat passiert ist und dass die Menschen, die wir teilweise kennen, daran beteiligt waren.“ Eine besondere Würdigung hat aus seiner Sicht auch der „Mut“ der Zeitzeugen verdient, „sich an der Ausstellung beteiligt zu haben, um uns Jüngeren zu verdeutlichen, ‚wie schnell es in eine bestimmte Richtung gehen kann.’“

Zur Ergänzung der Ausstellung haben einige der Zeitzeugen auch Erinnerungsstücke aus dem Jahr 1945 ausgeliehen, die sie bis heute aufbewahrt haben. Agnes Budke zeigt eine Wolldecke, die sie bei der Flucht von der „Lehrerinnen-Bildungs-Anstalt“ in Krems erhielt. Franz Dilger hat sein Kriegstagebuch und seine Papiere zur Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zur Verfügung gestellt. Von Ursula Grimm ist der Rucksack zu sehen, mit dem sie aus Danzig in den Westen geflohen ist. Elisabeth Haas und Ida Mayer fanden einen Gülleschapfer, der aus einem amerikanisch-französischen Stahlhelm hergestellt wurde. An den kürzlich verstorbenen Kurt Hafner (1926-2015) erinnert eine Mitteilungstafel der NSDAP, die er im Keller eines Hauses in der Tiersteinstraße gefunden hatte. Ernst Huber suchte den Holzkoffer heraus, den er mitnahm, als er zur Wehrmacht einberufen wurde. Unter dem Titel „Der alte Holzkoffer“ hat er eine Erzählung geschrieben, die für die Ausstellungsbesucher zum Mitnehmen ausliegt. Von Alfons Miller stammt eine Wolldecke, die er im amerikanischen Kriegsgefangenenlager Attichy bekam und bis heute als Sofadecke benutzt.

Und von Alfons Nagel stammen schließlich die Briefe und Postkarten, die er aus dem Kriegseinsatz und der Kriegsgefangenschaft in Russland an seine Familie auf dem Paradieshof geschrieben hat. Am 24. November 1945 konnte er erstmals ein Lebenszeichen von sich geben, das die Betrachter tief berührt: „Liebe Eltern und Geschwister! Endlich bin ich in der glücklichen Lage, Euch mitteilen zu können, daß es mir in der Gefangenschaft gut geht, was ich auch von Euch hoffe. Im nächsten Jahr hoffe ich zu Euch zurückzukehren, einstweilen arbeite noch am Wiederaufbau Rußlands.“

Die Ausstellung „Mein Kriegsende“ ist noch bis zum 20. September 2015 im Stadtmuseum zu sehen (Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr). Das Stadtarchiv ist grundsätzlich an weiteren Berichten von Zeitzeugen interessiert, die sich unter der Telefonnummer 07422/29263 oder unter der E-Mail-Adresse stadtarchiv@schramberg.de melden können.

Ernst Huber
Ernst Huber mit dem Holzkoffer aus dem Jahr 1945, den er mitnahm, als er zur Wehrmacht eingezogen wurde.

Ursula Grimm
Ursula Grimm mit dem Rucksack aus dem Jahr 1945, mit dem sie aus Danzig in den Westen geflohen ist.
Fotos: Stadtarchiv Schramberg

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK