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Stadtnachrichten 2014

Ein außergewöhnlicher Bürger mit großen Verdiensten um seine Heimatstadt – 100. Geburtstag des Schulleiters, Kommunalpolitikers und Stadtarchivars Franz Fehrenbacher


Selten hat sich ein Bürger in seiner Heimatstadt so vielfältig engagiert wie der Schulleiter, Kommunalpolitiker und Stadtarchivar Franz Fehrenbacher, der am 27. Februar 2009 im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Der außergewöhnliche Bürger wurde am Samstag vor 100 Jahren in Schramberg geboren.

Franz Fehrenbacher hat sich fast fünfzig Jahre für seine Heimatstadt in vorbildlichem Bürgergeist eingesetzt: In seinem Berufsleben war er von 1946 bis 1979 Lehrer an der Grund- und Hauptschule Sulgen, die er von 1966 bis 1979 auch als Rektor leitete. Der Stadtteil Sulgen wurde für den gebürtigen Schramberger zu einer zweiten Heimat. Von 1948 bis 1967 war er Dirigent des Männergesangvereins Frohsinn Sulgen und von 1956 bis 1974 Mitglied im Kirchengemeinderat der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Laurentius Sulgen. 1965 wurde er in den Gemeinderat der Stadt Schramberg gewählt, dem er bis 1984 als Mitglied der CDU-Fraktion angehörte, die er von 1974 bis 1977 auch als Fraktionsvorsitzender führte.

Die Förderung des kulturellen Lebens war ihm ein großes Anliegen. 1950 war er an der Gründung der Volkshochschule Schramberg beteiligt und von 1984 bis 1989 Vorsitzender der Musikschule Schramberg, die ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden ernannte. Zu seinem 70. Geburtstag wurde ihm 1984 für sein herausragendes Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Zu seinem 85. und 90. Geburtstag wurde er mit zwei Empfängen im Rathaus geehrt, bei denen der damalige und mit ihm freundschaftlich verbundene Oberbürgermeister Herbert O. Zinell seine Lebensleistung würdigte.

Franz Fehrenbacher wurde am 24. Mai 1914 als fünftes Kind des Landwirtes Thomas Fehrenbacher (1870-1939) und seiner Ehefrau Luise Fehrenbacher (1884-1956) auf dem Schilteckhof im Stadtteil Höfle geboren. Der begabte Bauernsohn besuchte die Volks- und Realschule in Schramberg und wurde von 1929 bis 1935 am katholischen Lehrerseminar in Rottweil zum Volksschullehrer ausgebildet. Nach dem Reichsarbeits- und Wehrdienst hatte er seine ersten unständigen Lehrerstellen an verschiedenen Orten in Württemberg. Wie viele Angehörige seiner Generation war die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges für ihn sehr prägend. Als Artillerieoffizier wurde er auf verschiedenen Kriegsschauplätzen an der Ost- und Westfront eingesetzt. Am 8. Dezember 1944 verheiratete er sich in Schramberg mit Emilie Heinkele (1920-2010), die aus Regglisweiler in Oberschwaben stammte. Der glücklichen Ehe entsprossen vier Töchter und ein leider früh verstorbener Sohn.
1979 wurde der eben in den Ruhestand eingetretene Schulleiter durch den damaligen Oberbürgermeister Roland Geitmann (1941-2013) damit beauftragt, das bis dahin auf der Bühne des Rathauses kaum zugängliche Stadtarchiv Schramberg im Kulturzentrum Schloss neu einzurichten. Franz Fehrenbacher ging mit großem Elan an diese Aufgabe und machte als ehrenamtlicher Stadtarchivar die historische Überlieferung seiner Heimatstadt der Öffentlichkeit zugänglich.
Durch zahlreiche Publikationen zu stadtgeschichtlichen Themen wie Geburtstagen bemerkenswerter Personen oder Jubiläen von Institutionen, Organisationen und Unternehmen erreichte er, dass es in Schramberg zu einem immer größer werdenden stadtgeschichtlichen Bewusstsein kam. Aus seinen Publikationen, die insbesondere in der Lokalpresse erschienen, entstand im Lauf der Zeit eine umfangreiche Geschichte der Stadt Schramberg. Zu einigen Themen sind seine Publikationen bis heute grundlegend.

1979 gründete er zusammen mit einigen anderen Bürgern den Museums- und Geschichtsverein Schramberg und war über viele Jahre einer der wichtigsten Mitarbeiter der Zeitschrift „D’Kräz - Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg“. Der originelle Name, der an das Tragegestell der Schwarzwälder Uhrenhändler erinnert, wurde von ihm erfunden. 1993 zog er sich im Alter von 79 Jahren von seiner ehrenamtlichen Arbeit im Stadtarchiv Schramberg zurück, die kurz darauf von Studiendirektor Erich Maier nach seinem Eintritt in den Ruhestand fortgesetzt wurde.

Bis ins hohe Alter nahm er am Geschehen in seiner Heimatstadt regen Anteil und äußerte seine Meinung dazu. Die zwei Jahre nach seinem Tod erfolgte Schließung des Kreiskrankenhauses hätte ihn sicher sehr geschmerzt. Auch die Auflösung des Männergesangvereins Frohsinn Sulgen, dem er als langjähriger Dirigent eng verbunden war, hätte ihn traurig gestimmt. Positiv würde er dagegen sicher die Entwicklung des Stadtarchivs Schramberg sehen, da ihm das historisch-kulturelle Erbe seiner Heimatstadt sehr am Herzen lag. In einem Gespräch sagte er einmal: „Man lebt eben nicht nur im Jetzt und im Morgen, sondern auch die Gegenwart und die Zukunft lebt auch aus der Vergangenheit. Und das ist wichtig, dass der Mensch weiß, was vor ihm war. Und dann kann er das, was kommt, eher beurteilen.“

Zu seinem 100. Geburtstag hat das Stadtarchiv Schramberg seine Familie und einige seiner Bekannten zu einem Empfang eingeladen. Als Zeichen dankbarer Erinnerung wird die Familie die Tonaufnahme eines Interviews erhalten, in dem Franz Fehrenbacher ausführlich über sein Leben erzählt hat. Die großen Verdienste des außergewöhnlichen Bürgers um seine Heimatstadt bleiben unvergessen.
Carsten Kohlmann M.A. (Stadtarchiv Schramberg)

Franz und Mila Fehrenbacher
Franz Fehrenbacher (1914 bis 2009) und seine Ehefrau Emilie Fehrenbacher (1920 bis 2010) im Jahr 2005.
Foto: Carsten Kohlmann

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