Navigation anzeigen
  • Seite drucken
  • Lage & Anfahrt
  • Facebook
  • Youtube

Unsere Stadt

Aktuelles & Service

Stadtnachrichten 2012

Schwach besuchte Veranstaltung zur Europawoche - "Babel Europa"


Auf leider nur wenig Interesse traf der Vortrag „Babel Europa, so nah und doch so fern“, mit dem die Volkshochschule Schramberg die diesjährige Europawoche eingeleitet hat. Gerade mal ein dutzend Besucher hatten sich in der „guten Stube“ der Stadt, dem Schlossfoyer, eingefunden, um dem Vortrag der Kommunikationsexpertin Danielle Dahan-Feucht zu lauschen.

Diejenigen aber, die gekommen waren, erlebten einen informativen und an Aha-Erlebnissen reichen Abend. Oberbürgermeister Thomas Herzog hatte in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass er den interkulturellen Dialog mit seiner Frau – die bekanntlich Französin ist „erlebe, liebe und lebe.“ Er kenne daher aber auch die Tücken der Kommunikation.

Die Referentin Dahan-Feucht ist zertifizierte interkulturelle Trainerin, sie ist ebenfalls Französin, lebt und arbeitet nun seit gut 20 Jahren in Deutschland. In Workshops für Firmen unterrichtet sie Führungskräfte und Mitarbeiter über interkulturelle Unterschiede und wie man damit umgeht.

So gilt etwa die - ungeschriebene – Regel, an Post- oder Bankschaltern in der Schlange einen gewissen Abstand zu halten, in anderen Ländern nicht.  Wenn jemand einem dann „zu dicht auf die Pelle“ rückt, sei das nicht unbedingt unhöflich, sondern beruhe auf dem Nichtwissen, dieser Regel. Jeder bringt das Erlernte und seine Prägungen in den Dialog mit ein, hat Erwartungen an den anderen. Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, kann es zu Missverständnissen kommen.

Auch der kräftige Händedruck, in Deutschland Beweis für Anerkennung und Vertrauen, werde in romanischen Ländern eher als Grobheit interpretiert.

Das Erlernen einer Fremdsprache allein genüge nicht für den interkulturellen Dialog. „Eine Sprache ist nicht ohne die Kultur des Landes zu denken.“   Die vielen Höflichkeitsformeln in der englischen Sprache wirken auf Deutsche befremdlich und übertrieben. Lässt man sie aber weg, wirkt man unhöflich.  Die französische Sprache sei im 17. Jahrhundert, der Zeit des Sonnenkönigs und des Absolutismus geprägt worden. Damals war es nicht ratsam, direkt seine Meinung zu äußern. Deshalb formulierten die Franzosen bis heute  sehr diplomatisch, während die Deutschen als  direkt gelten. Sprachwissenschaftler erklärten dies  ist der deutschen jahrhundertelangen Kleinstaaterei: „Da mussten ich die Leute klipp und klar verständigen.“

Tückisch sei auch, dass englisch als Zweitsprache sich allgemein durchgesetzt habe, englische Begriffe in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich verwendet würden. Wenn man in Deutschland zu einem „meeting“  gehe, erwarte man  eine Tagesordnung, ein Protokoll und einen Beschluss am Ende. In Spanien diene ein „meeting“ eher dem kreativen Austausch von Ideen. Die Kommunikationsberaterin Dahan- Feucht plädierte deshalb dafür, beim Sprachenerwerb immer auch den kulturellen Hintergrund zu  berücksichtigen und nicht zu glauben, es genüge, wenn man englisch sprechen könne. Die Landessprache zu verstehen, sei nach wie vor  sehr wichtig.

In der angeregten Diskussion im kleinen Kreis erörterte man die Bedeutung der Sprache für die Integration, aber auch das Problem, wie man Menschen aus anderen Kulturen erreichen kann. Der bei uns übliche Flyer, so Dahan-Feucht, erreiche viele Leute nicht, „die die direkte Ansprache gewohnt sind.“

Kommunikationsexpertin Danielle Dahan-Feucht
Engagierte Referentin: Danielle Dahan-Feucht bei ihrem Vortrag im Schramberger Schloss.

Bericht und Foto: Martin Himmelheber

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK