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Stadtnachrichten 2012

Präsentation des ältesten Fastnachtsfilms im Stadtarchiv Schramberg


Bereits im letzten Jahr konnte das Stadtarchiv Schramberg über die Entdeckung des ältesten bisher bekannten Fastnachtsfilms berichten. Mittlerweile ist der Film aus dem Jahr 1939 digitalisiert und wird zur diesjährigen Fastnacht das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Vor 1945 entstandene Filmaufnahmen sind gerade auf lokaler Ebene sehr seltene Zeitzeugnisse. Aus Schramberg sind zwar mehrere frühe Filme bekannt, darunter ein großer Werbefilm der Lichtspielbetriebs GmbH Laupheim über die Stadt Schramberg von dem Fotografen Franz Marzari (1897-1975) aus dem Jahr 1929, die aber meistens offensichtlich leider nicht erhalten geblieben sind. Bis vor kurzem ging man davon aus, dass nur insgesamt vier Filme über die Schützengesellschaft und die Feuerwehr die Zeitläufte überdauert haben.

Umso überraschter war Stadtarchivar Carsten Kohlmann, als im Frühjahr 2011 ein bisher völlig unbekannter Film über die Fastnacht im Jahr 1939 von einem Antiquitätenhändler aus Hessen angeboten wurde. Als früheste filmische Dokumentation der Fastnacht in Schramberg galt bis dahin der Film „Hoorig, Hoorig isch dia Katz“ von Erich Legler aus dem Jahr 1961. Dass auf einmal ein Film aus dem Jahr 1939 auftauchte, war lokalgeschichtlich eine Sensation. Der Film wurde deshalb gleich vom Stadtarchiv Schramberg erworben, um dieses einzigartige Zeitzeugnis erhalten zu können.

Der Film stammt aus dem Nachlass von Marianne Zänker (1938-2010) und wurde von ihrem Vater Karl Faist III (1903-1945) gedreht, der in den 1930er Jahren bereits in dritter Generation das von seinem Großvater Carl Faist I (1839-1918) gegründete Fotogeschäft in der Berneckstraße 14 in Schramberg fortführte. Als Karl Faist nicht mehr aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrte, übernahm der Fotograf Wilhelm Weiss (1893-1974) das alteingesessene Geschäft, in dem auch Marianne Faist noch den Beruf der Fotografin lernte. 1964 heiratete sie in Frankfurt am Main und lebte zuletzt in Marburg an der Lahn. Den Film von der Fastnacht im Jahr 1939 bewahrte sie zusammen mit einem Film über ihre Familie als Erinnerungen an ihre alte Heimatstadt auf.

Die Filmaufnahmen von der Fastnacht zeigen in etwa fünf Minuten das ganze Spektrum des damaligen Geschehens. Zu sehen sind Szenen des Montagsumzuges, des Hanselsprungs und Brezelsegens und der in diesem Jahr zum vierten Mal stattfindende Da-Bach-na-Fahrt mit Dr. Erwin Grüner (1890-1958) als „Bachhansel“. Deutlich erkennbar ist der starke politische Einfluss in der NS-Zeit, in der eine ideologisch aufgezogene und propagandistisch ausgerichtete „Volksfastnacht“ angestrebt wurde. Nur wenige Monate nach der „Reichskristallnacht“ vom 9./10. November 1938 betrieben einige Narren wie Karl Dettling (1913-1987) bei der Kanalfahrt und der Radfahrverein beim Umzug eine bösartige Judenhetze, die in diesen Filmaufnahmen ebenfalls zu sehen ist. 

Der Film wird am Mittwoch, 15. Februar 2012, um 19 Uhr im neuen Gebäude des Stadtarchivs Schramberg gezeigt (Am Hammergraben 8). Das Stadtarchiv Schramberg würdigt damit auch die vor 90 Jahren erfolgte Gründung des „Jungen Parlaments“, dessen Mitglieder 1936 die Da-Bach-na-Fahrt erfunden und sich um die Fastnacht in Schramberg große Verdienste erworben haben. Stadtarchivar Carsten Kohlmann führt mit einem Referat „Fastnacht in der Zeit des Nationalsozialismus“ in den Film ein. Der Eintritt ist frei.


Bach-na-Fahrt 1939
Eugen Brunnenkant (1903-1952), Gewinner der Da-Bach-na-Fahrt am 20. Februar 1939, mit seinem Zuber „Schramberger Uhren gehen in alle Welt“.
Foto: Foto Kasenbacher GmbH (Schramberg)

Bachhansel 1939
Der Zahnarzt Dr. Erwin Grüner (1890-1958) als „Bachhansel“ bei der Da-Bach-na-Fahrt am 20. Februar 1939. Aus dieser Urform entwickelte sich die heutige Narrenfigur des Da-Bach-na-Fahrers.
Foto: Foto Kasenbacher GmbH (Schramberg)

Gruppe der Turnerschaft Fasnet 1939
Mitglieder der Schramberger Turnerschaft beim Fastnachtsumzug am 20. Februar 1939 in der heutigen Bahnhofstraße vor dem damaligen Baugeschäft Fischer. Die Gruppe hatte einen Wagen gebaut, der auf die Diskussion über eine öffentliche Bedürfnisanstalt in der Südstadt Bezug nahm.
Foto: Foto Kasenbacher GmbH (Schramberg)

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