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Stadtnachrichten 2012

Euthanasieopfer aus Schramberg in der Zeit des Nationalsozialismus


Zum internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus lädt die Stadt Schramberg in diesem Jahr am Montag, den 30. Januar 2012, in Kooperation mit „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ wieder zu einer Gedenkfeier und einer Vortragsveranstaltung ein, in der das Stadtarchiv Schramberg an das Schicksal der Euthanasieopfer erinnern wird.

Über die geistig Behinderten und psychisch Kranken aus der Stadt Schramberg und ihren heutigen Stadtteilen, die in der Zeit des Nationalsozialismus dem unter dem Begriff „Euthanasie“ bekannten Massenmord an vollkommen hilf- und schutzlosen Menschen zum Opfer fielen, wurde in Schramberg bis vor wenigen Jahren geschwiegen. Auf keiner Gedenktafel sind ihre Namen zu lesen.

Erst über 50 Jahre nach der Ermordung von über 70000 Menschen in insgesamt sechs im Deutschen Reich eingerichteten Tötungsanstalten begann 1994 mit einem Vortrag des damaligen Geschichtsstudenten und heutigen Stadtarchivars Carsten Kohlmann bei der Initiative „Gemeinsam gegen Gewalt“ die Erforschung der Schicksale dieser Menschen. Nachdem zunächst drei Namen von Euthanasieopfern bekannt waren, nahm die Zahl der durch Hinweise von Zeitzeugen, Forschungen von Familienangehörigen und die Entdeckung neuer Quellen belegten Fälle kontinuierlich zu. Erst im letzten Jahr wurde in einem alten Aktenhaufen im Feuerwehrgerätehaus mit einem „Verzeichnis der Geisteskranken etc. 1940“ der städtischen Fürsorgeverwaltung beim Umzug des Stadtarchivs Schramberg eine Schüsselquelle entdeckt. In dem Rechnungsbuch werden 31 Personen genannt, die von der Stadt Schramberg Fürsorgeleistungen erhielten. Bei 15 Personen ist klar ersichtlich, dass sie im Rahmen der „Euthanasieaktion“ ermordet wurden. Nach derzeitigen Schätzungen dürften aus der Stadt Schramberg und ihren heutigen Stadtteilen zwischen 20 und 40 geistig Behinderte und psychisch Kranke ermordet worden sein.

In der Vortragsveranstaltung werden drei Einzelschicksale vorgestellt. Martin Arnegger aus Dunningen-Lackendorf spricht über Maria Mayer (1885-1940), Harald Bargenda aus Schramberg über Maria Nagel (1903-1940) und Erich Maier aus Schramberg über Karl Maier (1902-1941). Stadtarchivar Carsten Kohlmann wird in das Thema einführen und die Diskussion moderieren. Die Vortragsveranstaltung steht am Beginn eines Forschungs- und Dokumentationsprojektes, das zu einem Gedenkbuch für alle Euthanasieopfer aus Schramberg führen soll. Zur Mitarbeit eingeladen sind insbesondere Lehrer und Schüler aller Schularten, die vom Stadtarchiv Schramberg unterstützt werden.

Die Gedenkfeier bei den Mahnmalen für die Opfer des Nationalsozialismus und „Des Bruders Tod“ am Mühlegraben mit einer Gedenkrede und Kranzniederlegung von Oberbürgermeister Thomas Herzog beginnt am Montag, den 30. Januar 2012, um 17.30 Uhr. Die anschließende Vortragsveranstaltung im Lese-Café der Mediathek findet um 18 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Stadtarchiv Schramberg
Carsten Kohlmann
Am Hammergraben 8
78713 Schramberg
Telefon: 07422/29263
E-Mail: carsten.kohlmann@schramberg.de

Wir empfehlen zu diesem Thema auch die Internetangebote von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ (www.gegen-vergessen.de) und der unter der Schirmherrschaft des Landes Baden-Württemberg stehenden Gedenkstätte Grafeneck auf der Schwäbischen Alb (www.gedenkstaette-grafeneck.de).


Bildtexte:
Ferdinand und Rosa Reuter
Der Schreinermeister Ferdinand Reuter (1877-1931) und seine Ehefrau Rosa Reuter (1885-1940) aus Schramberg. Rosa Reuter wurde 1940 in der Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb ermordet.
Foto: Stadtarchiv Schramberg

Verzeichnis der Geisteskranken
Das Titelblatt des Rechnungsheftes „Verzeichnis der Geisteskranken etc. 1940“ der Fürsorgeverwaltung der Stadt Schramberg, in dem bei 15 Personen die Ermordung in verschiedenen Tötungsanstalten der „Euthanasieaktion“ belegt ist.
Foto: Stadtarchiv Schramberg

Todesvermerk von Rosa Hug
Der Todesvermerk „+ 8.10.40 in Grafeneck“ beim Eintrag über Rosa Hug (1884-1940) im „Verzeichnis der Geisteskranken etc. 1940“ der Fürsorgeverwaltung der Stadt Schramberg. Rosa Hug befand sich in der „Landesfürsorgeanstalt Reutlingen“ und kam von dort in die Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb.
Foto: Stadtarchiv Schramberg

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