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Stadtnachrichten 2012

"Ich trage einen großen Namen" – Nachruf auf Helmut Junghans (1924-2012)


Helmut Junghans, der Sohn des Schramberger Ehrenbürgers Helmut Junghans (1891-1964), ist tot. Wie seine Familie mitteilt, starb das Mitglied der bekannten Unternehmerfamilie am Mittwoch im Alter von 87 Jahren in Ulm. In den letzten Jahren war er mehrfach in Schramberg zu Besuch.

Das Leben von Helmut Junghans schien mit einer Karriere in der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans eigentlich vorgezeichnet zu sein. Sein Vater führte das Unternehmen seit 1942 als Generaldirektor und wollte auch seinen Sohn in der Familientradition für eine Führungsfunktion in das Unternehmen hineinwachsen lassen. Zusammen mit seiner Schwester Anita Junghans (1921-1993) erlebte Helmut Junghans auf dem von seinen Eltern 1929/30 gebauten Familiensitz "Eckenhof" in Sulgen eine glückliche Kindheit, über die er bei dem vom Museums- und Geschichtsverein Schramberg zum 150jährigen Firmenjubiläum am 11. Juni 2011 veranstalteten Kolloquium erzählte. Ein Gemälde des "Eckenhofs" in seiner Wohnung in einem Seniorenstift in Ulm erinnerte ihn bis zuletzt an sein Elternhaus.

Im Alter von 18 Jahren wurde er im Herbst 1942 zur Wehrmacht eingezogen, als Nachtjäger bei der Luftwaffe eingesetzt und wäre bei einem Absturz fast ums Leben gekommen. Für die Fliegerei hatte er sich bereits als Jugendlicher wie viele seiner Altersgenossen begeistert. Nach der Rückkehr aus dem Krieg begann er im Frühjahr 1946 ein Studium des Maschinenbaus, entschied sich dann aber letztlich für das Studium der Physik, das er mit dem Diplom abschloss. Seiner Neigung hätten indes eher die Geisteswissenschaften entsprochen, so dass er sich mit dem Gedanken einer Karriere im Familienunternehmen nur schwer anfreunden konnte. Dem Studium folgte das Sammeln von Berufserfahrungen an verschiedenen Standorten der Firma, unter anderem bei Arturo Junghans in Venedig. Mit der Ende 1956 bekannt gewordenen Übernahme der Aktienmehrheit durch Karl Diehl (1907-2008) aus Nürnberg ging jedoch die Ära Junghans als Familienunternehmen zu Ende. Der Vater von Helmut Junghans schied zum 31. Dezember 1961 aus der Firma aus. 1963 verkaufte er den "Eckenhof", zog nach Meran und starb dort auch bald darauf. Seine Frau Carrie Junghans, die aus den USA stammte, starb 1981.

Sein Sohn hatte sich 1958 mit Erika Deschler (1930-2000) verheiratet und gründete mit ihr in Ulm eine Familie. In der Firma Funkelektrik, die ein Bruder seiner Ehefrau mit aufgebaut hatte, arbeitete er bis zu seinem Ruhestand als leitender Angestellter. Durch das Ausscheiden der letzten Familienmitglieder aus der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans, den Abschied vom "Eckenhof" und den neuen Lebensmittelpunkt in Ulm kam Helmut Junghans nur noch selten nach Schramberg. Erst im letzten Jahrzehnt seines Lebens wurde die Beziehung wieder intensiver, was vor allem ein Verdienst von Hans Kaiser war, der als langjähriger Direktor der Firma Junghans Feinwerktechnik zu einem wichtigen Begleiter beim Aufbau eines neuen Verhältnisses zu seiner alten Heimatstadt Schramberg wurde.

In einem großen Interview stellte er sich den Fragen zur wechselvollen Biographie seines Vaters und sprach über seine Rolle als Unternehmer in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein großes Anliegen war ihm 2001, die Urne seines Vaters in Schramberg beisetzen zu können. 2002 übergab er den wertvollen Nachlass seines Vaters an das Stadtarchiv Schramberg und ermöglichte damit eine bessere Erforschung der Familien- und Firmengeschichte. In der SWR-Sendung "Ich trage einen großen Namen" war er 2009 Gast von Wieland Backes und bekannte, dass es für ihn nicht immer einfach gewesen sei, diesen Namen zu tragen. Das letzte Mal kam er am 11. September 2011 zu dem von seinem Sohn Niko Junghans im Jubiläumsjahr "150 Jahre Uhrenfabrik Junghans" organisierten Treffen der Nachkommen des Firmengründers Erhard Junghans (1823-1870) nach Schramberg.

Helmut Junghans wird am nächsten Mittwoch in Ulm beerdigt. Um den aufgrund seiner Liebenswürdigkeit sehr geschätzten Mann trauern außer seinen Söhnen Niko und Oliver Junghans und seinen Enkeln Rebekka und Simon Junghans auch seine Bekannten in Schramberg, die ihn in guter Erinnerung behalten werden.



Helmut Junghans (rechts), Hans Kaiser und Niko Junghans beim Neujahrsempfang 2011
Helmut Junghans (rechts) mit seinem Sohn Niko Junghans (links) und Direktor i.R. Hans Kaiser (Mitte) beim Neujahrsempfang der Stadt Schramberg am 10. Januar 2011.
Foto: Stadt Schramberg (Achim Ringwald)


Helmut Junghans 1924 - 2012
Der junge Helmut Junghans als Pilot der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.
Foto: Stadtarchiv Schramberg


Helmut Junghans 1891 - 1964
Generaldirektor Helmut Junghans (1891-1964), der Vater von Helmut Junghans (1924-2012), auf einem Foto aus den 1930er Jahren.
Foto: Stadtarchiv Schramberg


Villa Junghans im Eckenhof im Winter
Der "Eckenhof", das Elternhaus von Helmut Junghans (1924-2012), auf einem Gemälde des Schramberger Malers Rudolf Ackermann (1887-1956).
Foto: Sammlung Carsten Kohlmann (Oberndorf a.N.)







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