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Der Beginn der Städtepartnerschaft

„Schramberg feiert“, unter diesem Titel veranstaltet die Stadt Schramberg am 5. und 6. Juli ein doppeltes Jubiläumsfest mit einem internationalen Kulturprogramm. Bei diesem Fest wird einerseits der 50. Geburtstag der Schramberger Musikschule, andererseits der Umstand gefeiert, dass Schramberg seit 50 Jahren eine sehr lebendige Partnerschaft mit der nordfranzösischen Stadt Hirson pflegt. Diese Partnerschaft ist auch insofern etwas Besonderes, als es erst die 15. deutsch-französischen Städtepartnerschaft überhaupt war.

Die Städtepartnerschaft zwischen Schramberg und Hirson war als Pioniertat außergewöhnlich und gleichzeitig auch ein Wagnis. Obwohl der Zweite Weltkrieg bereits mehr als 10 Jahre beendet war, waren die Wunden auf beiden Seiten längst noch nicht verheilt. Misstrauen, Gefahr, Furcht vor dem Hang der Deutschen, nach dem “starken Mann“ zur rufen, begleitete die Diskussion um die Wiederbewaffnung Deutschlands. Notzeiten unter der französischen Besatzungsmacht, Reparationsleistungen, Demontage von Maschinen in den Industriebetrieben und Kahlhiebe in den Wäldern waren in Deutschland noch nicht vergessen. In diese Zeit fielen die ersten Bemühungen Schrambergs nach einer deutsch-französischen Städtepartnerschaft. Oberbürgermeister Dr. Konstantin Hank hat als Offizier der Wehrmacht die Schrecken des Weltkrieges erlebt und daraus die Lehre gezogen, dass Europa nie mehr „von einem zynischen, gottlosen Regime beherrscht werden“ dürfe. Er zählte sich zu den Anhängern des europäischen Gedankens der ersten Stunde nach der Katastrophe des Weltkrieges. Daher versuchte Dr. Hank zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden des Stadtjugendringes Elmar Roth über die „Internationale Bürgermeisterunion für deutsch-französische Verständigung und europäische Zusammenarbeit IBU“ offiziell bereits ab 1955 eine Partnerstadt in Frankreich zu finden. Die IBU wurde 1946, also ein Jahr nach Kriegsende von Schweizer Politikern und Intellektuellen gegründet, mit dem Ziel unter ihrer neutralen Vermittlung deutsche und französische Bürgermeister zusammen zu bringen.

Bereits am 6. Oktober 1955 hat der Schramberger Gemeinderat mit 14 Stimmen bei zwei Enthaltungen beschlossen, eine Partnerschaft mit einer französischen Stadt anzustreben. Als geeignete Partnerstadt betrachteten einige offensichtlich zunächst die Uhrenstadt Besancon im Juragebiet. Die IBU empfahl als Partnerin für Schramberg denn aber die Stadt Vienne im Rhonetal, nachdem Freiburg sich um eine Partnerschaft mit Besancon bemühte. Das Gebiet des Rhonetals entsprach dann durchaus auch den Vorstellungen der Verantwortlichen in Schramberg. Allerdings waren die Bemühungen der IBU Vienne für eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt zu gewinnen nicht erfolgreich. Daher wurden dann drei Städte in der Nähe von Paris vorgeschlagen, die größte davon ist Joinville-le-Pont. Trotz großen Engagements von Dr. Hank konnte kein Fortschritt erreicht werden. Im März 1957 kam eine Absage aus Joinville-le-Pont – zu unterschiedlich seien die Strukturen zwischen der Uhrenstadt im Schwarzwald und der Stadt der Filmindustrie und des Sports im Speckgürtel der französischen Hauptstadt. Die IBU wandte sich daher an ihr Mitglied Bürgermeister Raymond Fischer in Hirson. Fischer, der Mitglied des Verwaltungsrats der IBU war, schrieb am 25. Juni 1957 den entscheidenden Brief an seinen Kollegen in Schramberg und berichtete, dass in seiner Stadt eine aufgeschlossene Haltung für eine Städtepartnerschaft bestehe. Dies ist umso erstaunlicher als die Gegend um Hirson vor allem im Ersten Weltkrieg Schauplatz des Stellungskrieges war und auch die Zivilbevölkerung sehr heftig leiden musste. Dr. Hank unterrichtete am 11. Juli 1957 den Gemeinderat und empfahl dem Ansinnen zuzustimmen. Leider habe sich im Rhonetal keine passende Stadt gefunden. Es gebe eine Reihe von Städten, die grundsätzlich gegen Städtepartnerschaften seien, was auf die immer noch nicht verheilten Wunden des Krieges hinweise, so Hank. Der Gemeinderat in Schramberg stimmte einstimmig der Aufnahme von Beziehungen zur Stadt Hirson zu. Stadtjugendring und Schramberger Schulen hatten sich zuvor ebenfalls dafür ausgesprochen. Dr. Hank übermittelt die positive Antwort noch am selben Tag nach Hirson. Fünf Tage später empfahl Bürgermeister Fischer umgehend persönliche Kontakte aufzunehmen. Die beiden Bürgermeister besuchten sich noch im Jahr 1957 gegenseitig.

Am 7. November 1957 berichtete Bürgermeister Dr. Hank dem Schramberger Gemeinderat, die zehn Kommunisten im Gemeinderat von Hirson stünden einer Partnerschaft ablehnend gegenüber, ihre beiden Beigeordneten seien der Zusammenkunft fern geblieben. Damit wurde die Dynamik, mit der die beiden Bürgermeister die Idee der Städtepartnerschaft angegangen waren, ausgebremst. Dr. Hank äußerte sich außerdem skeptisch zum Schüleraustausch. Die Schüler in Hirson hätten kein besonderes Interesse die deutsche Sprache zu erlernen. Sie lernten lieber Englisch.

Bürgermeister Raymond Fischers Aufgeschlossenheit und sein Engagement für die Städtepartnerschaft waren ungebrochen. Dies war um so bemerkenswerter, als der französische Sozialist Jude war und etliche seiner Familienangehörigen in Konzentrationslagern ums Leben kamen.

Am 23. Dezember 1957 berichtet Bürgermeister Raymond Fischer in einem Brief an Dr. Hank, dass es gelungen sei, sämtliche Mitglieder des Gemeinderates vom Sinn der Partnerschaft zu überzeugen. Man habe einstimmig beschlossen, gleichzeitig mit Marcinelle in Belgien und mit Schramberg eine Partnerschaft einzugehen.

Am 17. Mai 1958 machten sich 59 Personen, drunter Stadträte aller Fraktionen, Vertreter des Stadtjugendrings und der Feuerwehr sowie eine Fußballmannschaft der Spielvereinigung 08 auf den Weg nach Frankreich. Erste Station der Reise war das Fort Douaumont bei Verdun. Bürgermeister Fischer empfing die Schramberger mit einer Abordnung aus Hirson dann am Nachmittag vor der Kathedrale von Reims, wo sich Jahre später dann Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle symbolträchtig die Hand zur Versöhnung reichten. Am Abend durchschnitt dann Bürgermeister Hank am Ortseingang von Hirson ein blau-weiß-rotes Band und Bürgermeister Fischer ließ ihm symbolhaft der Rathausschlüssel der französischen Stadt überreichen.

Der Gegenbesuch fand dann am 5. Juli 1958 statt. Hunderte Schramberger warteten geduldig vor dem Schloss auf ihre neuen Partner, die sich verspätet hatten. Insbesondere die Hornberger Steige bereitete den französischen Fahrzeugen erhebliche Probleme. Auch in Schramberg wurde die Städtepartnerschaft mit einem beachtlichem Zeremoniell besiegelt.

06 Juli 1958 vor dem Schloß


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