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Wer aufgibt hat schon verloren !

Anmerkungen des Oberbürgermeisters zum Kommentar von Edgar Reutter in Sachen Talumfahrung im Schwarzwälder Boten vom 18.11.2006

„Politik ist ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß“, um den Soziologen Max Weber zu zitieren! Und auch beim Thema Talumfahrung hat mich die Leidenschaft noch nicht verlassen, wenngleich ich zunächst mit einer knappen Chronologie der Ereignisse und damit beim „Sachverstand“ beginnen möchte.

Die über 30-jährige „Geschichte“ der Talumfahrung ist, selbstkritisch betrachtet, auch mit politischen Versäumnissen vor Ort erklärbar. Zu Zeiten, als im Bundeshaushalt noch alles finanzierbar erschien, hat man sich mit der Trassenfestlegung in Schramberg einfach zuviel Zeit gelassen. Erst zu Beginn der 1990er-Jahre ist es gelungen, von grundsätzlichen Ablehnungen einer Umfahrung abgesehen, ein einheitliches Meinungsbild im Gemeinderat herzustellen. Mit diesem Rückenwind versehen, konnten auch die Landes- und Bundespolitiker ins „Boot geholt“ werden. Trotz des topografisch bedingten schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses wurden wir im letzten Bundesverkehrswegeplan von allen damals im Bundestag vertretenen Parteien einschließlich der „Grünen“ unterstützt und in den vordringlichen Bedarf aufgenommen. Nachdem wir uns mit den Planern auch noch auf die Variante 17, eine reine Tunnellösung auf Schramberger Gemarkung, verständigen konnten, sahen wir uns bereits kurz vor der „Zielgeraden“. Der Rückschlag kam mit den Erkenntnissen aus den Tunnelbränden in den Alpen. Die allseits unterstützte Tunnelvariante war aus brandschutz-technischen Gründen so nicht, jedenfalls nicht ohne einen unvertretbaren Aufwand, bauwürdig. Planerisch waren wir quasi wieder auf den Nullpunkt zurückgesetzt. Die Talumfahrung drohte mangels Streckenfestlegung aus dem aktuellen Bundesverkehrswegeplan ganz rauszufallen. Wiederum durch eine Allparteienkoalition unterstützt, wurden wir zwar nur in den weiteren Bedarf aufgenommen, aber mit Planungsrecht versehen. Anderenfalls bräuchten wir uns in der Tat derzeit mit diesem Projekt nicht mehr zu beschäftigen.

Angesichts einer Vielzahl und teilweise fortgeschrittener Bundesfernstraßen-projekte tat sich das Land in der Vergangenheit schwer, die notwendigen Ressourcen für die Weiterplanung der zwischenzeitig favorisierten Variante „Hess-2“ bereitzustellen. Dank dem Entgegenkommen der Planungs-abteilung des Regierungspräsidiums und der Vorfinanzierung des Landschaftspflegerischen Begleitplanes durch die Stadt, letzteres bedurfte eines „Machtwortes“ des damaligen Verkehrsministers Mappus, sind wir meines Wissens nur noch, um es schwäbisch auszudrücken, ein „Muckeseckele“ von der Festlegung des sogenannten Richtlinienentwurfes entfernt. Dieser ist notwendig, um die bauwürdige Trasse zwischen Bund und Land abzustimmen und weitere Planungsschritte einzuleiten. Trotz anderslautender Botschaften aus dem baden-württembergischen Innenministerium bin ich sehr zuversichtlich, dass weiter geplant werden kann. Auch in dieser Hinsicht besteht die volle Unterstützung durch alle Bundes- und Landtagsabgeordneten, aber auch des Landrats beispielweise. Aus der Erfahrung der bisherigen Chronik der Talumfahrung sollte dieser erfreuliche Umstand nicht zu gering geschätzt werden! Derzeit wird auf unterschiedlichen Ebenen an diesem Thema gearbeitet, was meine Zuversicht begründet.

Um zum Ziel zu gelangen, brauchen wir aber nicht nur den vorbildlichen Einsatz der Interessengemeinschaft Talumfahrung, sondern auch weiter-gehende Unterstützung vor Ort. Erfreulicherweise hat sich auch der Haus- und Grundeigentümerverein der Sache angenommen. Weitere Unter-stützung ist erwünscht.

Die Talumfahrung ist nicht nur für die Anlieger an der B 462 wichtig, sondern für die Verkehrssituation in der Stadt insgesamt und für eine vernünftige Querverbindung zwischen dem Rheintal und dem Großraum Rottweil/Balingen. Gerade dafür setzt sich auch eine Notgemeinschaft und die IHK Schwarzwald–Baar–Heuberg ein.

Die „Geschichte“ der Talumfahrung Schramberg ist zweifelsohne von Höhen und Tiefen begleitet. Der im Kommentar zum Ausdruck kommende Frust und die Gefühlslage der Anwohner an der B 462 ist durchaus verständlich. Doch sollten wir nicht, angesichts der meines Erachtens nicht ausreichend wertgeschätzten Unterstützung der politischen Kräfte in unserer Region, in eine jahreszeitlich bedingte Depression verfallen. Darüber würden sich nur andere Akteure in unserem Lande freuen, die teilweise noch länger als wir um „ihre“ Ortsumfahrung gekämpft haben beziehungsweise noch kämpfen. Gerade auch unter dem unerfreulichen Aspekt der Feinstaubthematik haben wir insgesamt Argumente genug, um das Innenministerium von einem Planungsstopp abzuhalten. Anderenfalls, dies bedingt die Logik, wäre das Planungsrecht nichts wert!
Solange ein Ziel erreichbar erscheint, sollte es unbedingt weiter verfolgt werden. Denn, um mit weiteren Weisheiten zu enden, „wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“ und „wer aufgibt, hat bereits verloren“. Dass es nicht so weit kommt, dafür möchte ich mich weiterhin mit politischer Leidenschaft einsetzen!

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