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Die Eingemeindung von Waldmössingen vor 40 Jahren


Von Stadtarchivar Carsten Kohlmann

Am 1. Januar 2012 wird die Große Kreisstadt Schramberg 40 Jahre alt. Der entscheidende Schritt auf dem Weg zu dieser kommunalrechtlichen Rangerhöhung war vor 40 Jahren am 1. Dezember 1971 die Eingliederung der Gemeinde Waldmössingen, durch die die Einwohnerzahl über die 20.000-Marke steigen konnte.

Die Eingliederung eines Dorfes wie Waldmössingen in eine Stadt wie Schramberg war vor 40 Jahren in Baden-Württemberg kein Einzelfall. Im Gegenteil: Auf Initiative der CDU-SPD-Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (1913-2007) kam es zwischen 1967 und 1975 in Baden-Württemberg zu einer großflächigen Flurbereinigung der Verwaltungsstruktur, bei der die Zahl der Landkreise von 63 auf 35 und die Zahl der Gemeinden von 3379 auf 1111 reduziert wurde. Die heute noch vorhandenen Strukturen gehen auf die Reformen dieser Zeit zurück.

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 und des Landes Baden-Württemberg im Jahr 1952 hatten sich die Städte und Gemeinden des Landes ganz unterschiedlich entwickelt. Das Wirtschaftswunder brachte zwar einen allgemein wachsenden Wohlstand, der sich aber im ländlichen Raum nicht gleichmäßig entfaltete. Zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Dörfern ergab sich – je nach Industrieansiedlung – ein zunehmendes Ungleichgewicht. Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden“ vom 26. September 1967 und dem „Landesentwicklungsplan“ vom  22. Juni 1971 wurde die Bildung leistungsfähiger Verwaltungseinheiten angestrebt.

Die auf Landesebene erkennbare Entwicklung, kleine Gemeinden gegebenenfalls auch „von oben“ zusammenzuschließen, setzte auf lokaler Ebene Initiativen und Prozesse in Gang, das absehbare Schicksal so weit wie möglich in die eigene Hand nehmen zu können. Für eine kleine Gemeinde wie Waldmössingen mit etwa mehr als 1000 Einwohnern waren die Entwicklungsperspektiven bei einer Fortdauer der Selbständigkeit begrenzt. Das im Schwarzwaldvorland gelegene Dorf war noch stark von der Landwirtschaft geprägt und hatte wenig Industrie, mit dem am 9. Oktober 1966 gewählten Egbert Zäh aber einen jungen, dynamischen Bürgermeister, der die Zeichen der Zeit erkannt hatte und für seine Gemeinde auch in die richtigen Bahnen zu lenken verstand. Seit 1970 wurden in Gesprächen mit den Nachbarorten verschiedene Modelle erörtert. Unter anderem stand die Bildung einer „Verwaltungsgemeinschaft Schwarzwald-Vorebene“ zur Diskussion.

Als bester Weg erwies sich am Ende jedoch die Aufnahme von Verhandlungen mit der Stadt Schramberg, für deren Bürgermeister Dr. Konstantin Hank (1907-1977) das Anklopfen aus Waldmössingen eine willkommene Chance war, die Schwelle zur Großen Kreisstadt nehmen zu können. Bei einer Bürgeranhörung stimmten am 17. Oktober 1971 66.7 Prozent der sich daran beteiligenden Wähler für die Eingliederung in die Stadt Schramberg. Mit der Unterzeichnung des Eingemeindungsvertrages wurden am 28. Oktober 1971 auch sofort Nägel mit Köpfen gemacht und die Eingliederung zum 1. Dezember 1971 rechtskräftig vollzogen. Dem neuen Stadtteil Waldmössingen wurde die bis heute gültige Ortschaftsverfassung eingeräumt.

Der frühere Ortsvorsteher Leo Langenbacher bilanzierte im Rückblick, die Eingemeindung habe in Waldmössingen „keine große Begeisterung“ ausgelöst, die Verhandlungen mit der Stadt Schramberg hätten jedoch zu einem „befriedigenden Ergebnis“ geführt. Durch die freiwillige Eingemeindung konnten die Stadt und ihr neuer Stadtteil von den im Finanzausgleichsgesetz zugesagten Sonderzuschüssen des Landes profitieren. Die Eingemeindung bildete dann auch den Auftakt für einen insgesamt positiven Weg in die Zukunft. Durch die Modernisierung der kommunalen Infrastruktur, die Entstehung von Arbeitsplätzen durch Industrie- und Gewerbeansiedlung und den Bau von Wohngebieten wurde aus dem alten Dorf ein attraktiver Stadtteil, der Schramberg vor 40 Jahren mit dem Titel „Große Kreisstadt“ beschenkte.

Info: Eine ausführliche Darstellung über die Geschichte der Gemeinde Waldmössingen in der Zeit der kommunalen Gebietsreform hat der damalige Ortsvorsteher Franz Moser für das Heimatbuch zur 1000-Jahr-Feier im Jahr 1994 verfasst. Das Buch ist bei der Bürger- und Touristeninformation im Rathaus der Stadt Schramberg und bei der Ortsverwaltung Waldmössingen erhältlich.

Postkarte Waldmössingen aus den frühen 1970er-Jahren
Blick auf den neuen Stadtteil Waldmössingen der Großen Kreisstadt Schramberg auf einer Postkarte aus den frühen 1970er Jahren.

Begehung Stadtteil Waldmössingen am 11.12.1971 durch Gemeinde- und Ortschaftsrat
Die erste Begehung des neuen Stadtteils Waldmössingen am 11. Dezember 1971 durch den Gemeinde- und Ortschaftsrat. Ganz links der ehemalige Bürgermeister Egbert Zäh, der nach der Eingemeindung Leiter des Entwicklungs- und Planungsamtes der Großen Kreisstadt Schramberg wurde.

Das neue Ortsschild am 05.02.1972
Das neue Ortsschild von Waldmössingen als Stadtteil der Großen Kreisstadt Schramberg am 5. Februar 1972.

Ortsmitte Waldmössingen 1972
Die neue Ortsmitte von Waldmössingen mit der Ortsverwaltung (vorne), dem Feuerwehrgerätehaus (links) und dem Zentrum der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Valentin (rechts). Der Neubau einer Kirche war durch den Brand der alten Kirche am 3./4. Januar 1969 notwendig geworden.

Alle Abbildungen: Stadtarchiv Schramberg

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