Navigation anzeigen
  • Seite drucken
  • Lage & Anfahrt
  • Facebook
  • Youtube
Stadtnachrichten

Unsere Stadt

Aktuelles & Service

Stadtnachricht

Stadtarchivar Carsten Kohlmann: Das letzte große Fest der Familie Junghans in Schramberg


Selten hat ein Familienereignis in Schramberg so großes öffentliches Interesse gefunden wie die Hochzeit von Horst Poller und Lore Junghans am 12. Juli 1952.  Das mittlerweile in Ditzingen bei Stuttgart wohnende Ehepaar feiert heute seine Diamantene Hochzeit.

Beim Betrachten der im Stadtarchiv Schramberg vorhandenen Fotos dieser Hochzeit vor 60 Jahren wird man unwillkürlich an das bekannte Leitwort „Schramberg ist Junghans und Junghans ist Schramberg“ erinnert. Die Bürger der Stadt, von denen viele in der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans arbeiteten, waren zu Hunderten erschienen, um ihre Verbundenheit mit der Unternehmerfamilie zu zeigen.

Lore Junghans wurde 1930 in Schramberg als älteste Tochter von Arthur Junghans II (1903-1998) und Luise Junghans (1909-1986) geboren. Ihr Vater, der einzige Sohn von Erwin Junghans (1875-1944) und Helene Junghans (1881-1952), war seit 1942 im Vorstand der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans und für das Ressort Verkauf und Werbung einschließlich Sortimentsgestaltung zuständig.

Horst Poller wurde 1926 in Selb in Oberfranken geboren, studierte nach Kriegsdienst und Gefangenschaft Agrarwissenschaften, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft an der Technischen Hochschule in München und wurde zwei Mal promoviert. In München lernte er auch seine zukünftige Frau Lore Junghans kennen, die in einem renommierten Fachgeschäft zur Uhrmacherin ausgebildet wurde. Durch die Bekanntschaft mit Lore Junghans ergab sich für Horst Poller die Möglichkeit zu einem Arbeitsplatz in der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans in Schramberg.

Die Hochzeit war das erste große Fest der Unternehmerfamilie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die kirchliche Trauung fand in der evangelischen Stadtkirche statt, in die das junge Brautpaar von vierzehn Ehrenpaaren zum Gottesdienst geleitet wurde. Die Hochzeit wurde von mehreren Vereinen der Stadt Schramberg mit Beiträgen unterschiedlicher Art umrahmt. Zur Hochzeitsfeier begab sich das Brautpaar mit seinen Gästen in das heute unter dem Namen „Villa Junghans“ bekannte „Parkhotel“.

Nach der Heirat zog die junge Familie in das „Haus Berneckwinkel“ im Park des „Gutes Berneck“, das Arthur Junghans II für seine Tochter und seinen Schwiegersohn hatte bauen lassen. In den folgenden Jahren kamen drei Kinder zur Welt. Horst Poller arbeitete von 1952 bis 1964 in der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans und stieg bald zum Stellvertreter seines Schwiegervaters auf, verließ die Firma aber 1964, als er erkennen musste, dass nach der 1956 erfolgten „feindlichen Übernahme“ durch Karl Diehl (1907-2008) die Familienmitglieder nicht mehr erwünscht waren.

Mit dem Abschied von Schramberg zog Familie Poller nach Stuttgart-Degerloch. Horst Poller arbeitete zunächst als Geschäftsführer eines Handelsbetriebes und später als Geschäftsführer in der Holding eines Verlagskonzerns. 1972 machte er sich mit einem eigenen Verlag selbständig. In mehreren eigenen Büchern hat er sich mit grundlegenden gesellschaftspolitischen Fragen befasst. Seit 1958 ist er CDU-Mitglied und war von 1976 bis 1988 Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Uhrenfabrik Junghans veröffentlichte er im letzten Jahr das Buch „Firma und Familie. Anmerkungen zu 150 Jahren Junghans-Uhren“, das in Schramberg viele Leser gefunden hat. Die Zeit nach der „feindlichen Übernahme“ sieht er im Rückblick sehr kritisch und hat ein Kapitel über die „Ära Diehl“ auch mit dem Untertitel „Der Niedergang 1964-2000“ überschrieben. Seine Kritik ist nach dem Erscheinen des Buches auch auf Widerspruch gestoßen, was den Wert des Buches aber nicht schmälert, da es viele wertvolle Angaben zu Aspekten enthält, die in der bisherigen Literatur zum Thema „Junghans“ unterbelichtet waren.

Mit ihrer alten Heimatstadt Schramberg sind Horst und Lore Poller, die heute in Ditzingen bei Stuttgart leben, immer noch verbunden. Lore Poller hat von ihrem Vater die Familiengrabstätte beim „Gut Berneck“ geerbt. Mit seinem Buch zum 150-jährigen Junghansjubiläum hat Horst Poller als Zeitzeuge außerdem einen bedeutenden Beitrag zur Firmen- und Stadtgeschichte geleistet.


1952 Hochzeit des Ehepaares Poller in Schramberg
Das Brautpaar Horst Poller und Lore Junghans am 12. Juli 1952 auf dem Weg zur Trauung in der evangelischen Stadtkirche in Schramberg.
Foto: Stadtarchiv Schramberg

Horst Poller

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK