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Terrassenbau im Junghans Gewerbepark Schramberg

Urlaub im Schwarzwald

Faszination Technik, Schramberg im Schwarzwald

Industriedenkmale in Schramberg

In­dus­trie­ar­chi­tekt Phil­ipp Jakob Manz (1861-1936) ver­dankt Schram­berg den welt­be­rühm­ten Ter­ras­sen­bau der Uh­ren­fa­brik Jung­hans von 1918. Schon da­mals er­lang­te das Ge­bäu­de Be­rühmt­heit, weil Jung­hans, An­fang des 20. Jahr­hun­derts grö­ß­te Uh­ren­fa­brik der Welt, den Ter­ras­sen­bau in der Wer­bung als Mar­ken­zei­chen ein­setz­te. Heute ist das denk­mal­ge­schütz­te Ge­bäu­de – ge­baut in einen stei­len Schwarz­wald­hang – ar­chi­tek­to­nisch ein­zig­ar­tig in Eu­ro­pa und gilt als "Ikone der In­dus­trie­ar­chi­tek­tur". Zur Zeit ist es öf­fent­lich nicht zu­gäng­lich, für Ende 2017 hat Jung­hans-Ei­gen­tü­mer Dr. Ing. Hans-Jo­chem Steim die Er­öff­nung eines Schwarz­wäl­der Uh­ren­mu­se­ums ge­plant.Video zur Uh­ren­fa­brik Jung­hans: His­to­ri­sche Auf­nah­men (Video von Tho­mas Wanka):


Auch bei der Ham­burg-Ame­ri­ka­ni­schen Uh­ren­fa­brik H.A.U. , nach Jung­hans zweit­grö­ß­te Uh­ren­fa­brik, hat Manz Spu­ren hin­ter­las­sen. Ab 1904 hat sein Büro in drei Jahr­zehn­ten viele Fa­brik­ge­bäu­de für die H.A.U. ge­baut. Heute sind in den noch er­hal­te­nen Ge­bäu­den, die eben­falls unter Denk­mal­schutz ste­hen, die Tech­nik­mu­se­en von Schram­berg un­ter­ge­bracht: Er­fin­der­zei­tenEi­sen­bahn­mu­se­um sowie Die­sel­mu­se­um. Oder sie die­nen als  Ge­wer­be­park. Adres­se: Ge­wer­be­park H.A.U.

Fabrikgebäude H.A.U.

Schlicht und trotzdem beeindruckend: Der Baustil von Manz lässt sich gut an den Industriegebäuden der H.A.U. erkennen.

Dieselmuseum H.A.U.

Sieht auf den ersten Blick aus wie eine kleine Villa, hier schlug jedoch das Herz der Energieversorgung der H.A.U: Im Innern ein 4-Zylinder-Diesel von 1911.

Junghans Terrassenbau

Neun Stufen in den Schwarzwaldhang gebaut. Die Räume sind 40 m lang, 4,50 m tief: Das gab viel Tageslicht für die Fertigung von Kleinuhren.
Philipp Jakob Manz: alles aus einer Hand.
Günstig, rasch, schön und zugleich funktional, solide und dauerhaft: Der Industriearchitekt Jakob Philipp Manz (1861-1936) brachte die Wünsche seiner Auftraggeber gut unter einen Hut. Sein 1889 gegründetes  Architekturbüro entwickelte sich bis in die 1920er Jahre zu einem der größten deutschen Büros, mit  Niederlassungen in Stuttgart und Wien und zeitweilig 100 Mitarbeitern. Er baute Textil- und Papierfabriken, Waffenfabriken, Schulen, Industriebauten. Bei ihm bekamen die Bauherren alles aus einer Hand: Fabrikgebäude, Arbeiterwohnungen, Fabrikantenvilla – er bot Komplettlösungen. Und er baute super schnell: Der Terrassenbau von Junghans wurde in weniger als zwei Jahren erstellt. So sparten die Auftraggeber Zeit und Kosten, die Werksanlagen erschienen einheitlich. An den Industriebauten der H.A.U. lässt sich das gut nachvollziehen.
Weitere bekannte Bauten von Manz sind z.B. der Glaspalast in Augsburg (1909), eine der größten und modernsten Textilfabriken ihrer Zeit, heute Kunstmuseum. Oder die Waffen- und Munitionsfabrik in Karlsruhe (1918), heute ZKM – Zentrum für Kunst und Medien.
Vorbild Amerika: Manz lernte Steinhauer und Maurer, studierte an der Königlich Württembergischen Baugewerkeschule in Stuttgart, arbeitete nebenbei auf Baustellen, studierte das Fach "Wasserbau", eine Zusatzqualifikation für den Industriebau in bezug auf die Textilwirtschaft, verlässt aufgrund einer Anstellung in Stuttgart die Schule ohne  Abschluss. Als er 1889 sein Büro in Kirchheim/Teck eröffnet, firmiert er erst als "Spezialbüro für Industrie- und Wasserbauten". 1901 zieht das Büro nach Stuttgart um. Seine Nische als "nichtdiplomierter Architekt" war die Industriearchitektur. Inspirieren ließ er sich in seiner Arbeitsweise von den großen Fabriken der USA, die sich ja auch die Gebrüder Junghans als Vorbild genommen hatten: Die schnelle Entwicklung technischer Lösungen ging einher mit rationeller Arbeitsteilung, straffer Kostenplanung und interdisziplinärem Arbeiten. Stahlbeton (erst 1867 "erfunden") ermöglichte schnelles und kostengünstiges Arbeiten. Auch Manz nutzte dieses Konstruktionsprinzip. Er arbeitete z.B. langjährig mit Baufirmen wie Dyckerhoff & Widmann zusammen, die Spezialisten im Betonbau waren. Mit dieser Baufirma setzte er auch größte Bauvorhaben schnell um, so dass er bald als "Blitzarchitekt" bekannt war. Dabei kam die Ästhetik nicht zu kurz. Schlicht und schön wirken heute viele der Gebäude, deren Baustil ab 1905 unter den Begriff "Traditionelle Moderne" fällt.
Neugierig auf Jakob Manz geworden? Kerstin Renz hat das Buch "Industriearchitektur im frühen 20. Jahrhundert: Das Büro von Philipp Jakob Manz" geschrieben, erschienen 2005.
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