Heiligenbronn: Heiliger Brunnen als Namenspatron

Es war einmal eine Quelle. Ein Brunnen. Viele kamen: Pilger und Kranke, Menschen voller Erwartung. Einige wurden gesund. Von diesem „Heiligen Brunnen“ hat der Stadtteil Heiligenbronn seinen Namen. Die Wallfahrt zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“, deren Wurzeln bis in das 14. Jahrhundert zurück reichen, hat Heiligenbronn geprägt und weithin bekannt gemacht. Den Brunnen gibt es heute noch, er steht in der Krypta der 1873 erbauten Wallfahrtskirche St. Gallus unter dem 1442 aufgestellten Gnadenbild der Schmerzensmutter. Das Wasser, das auch heute noch von vielen Menschen genutzt wird, trägt das Prädilat „sehr gut“.

Wallfahrt führt die Menschen zusammen

Die Wallfahrt ist ein prägender Bestandteil des 630 Einwohner zählenden Stadtteils. Ein Schwesternteam der Franziskanerinnen des Klosters bietet für Wallfahrtsgruppen ein interessantes Besuchsprogramm mit geistlichen Impulsen und Führungen durch die Kirche und die Gnadenkapelle. In einem kleinen Wallfahrtsladen findet man eine Auswahl an religiösen Büchern, Bildern, selbst verzierten Kerzen, Kreuzen, Marien- und Franziskusfiguren, kleinen Ikonen, Karten und anderen christlichen Devotionalien.

Einmal im Jahr wird Heiligenbronn beinahe überrannt von Besuchern aus Nah und Fern. Anfang September findet der große Wallfahrtsmarkt statt – denn am 8. September 1637 kehrte das im Dreißigjährigen Krieg in Sicherheit gebrachte Gnadenbild nach Heiligenbronn zurück. Der so genannte Zwetschgenmarkt ist heute ein Krämermarkt mit vielen Verkaufsständen und Fahrgeschäften – und mindestens ein Händler bietet auch noch die wohlschmeckenden, blauen Zwetschgen an.

Figuren erzählen vom Leben Jesu

Wer Heiligenbronn besucht, sollte sich auf jeden Fall die Ausstellung „Leben Jesu“ des peruanischen Künstlers Raul Castro im „Haus Lebensquell“ nicht entgehen lassen. Der Künstler lebte einige Jahre im Kloster und schuf zwischen 1987 und 1994 drei Figurenzyklen aus Ton, die vom Leben Jesu erzählen: Kindheit, öffentliches Wirken, Passion. Die 250 ausdrucksstarken Figuren sprechen für sich.

Neben dem Kloster hat die Stiftung St. Franziskus dem Stadtteil Heiligenbronn ihren Stempel aufgedrückt. In den beschützenden Einrichtungen mit Schulen, Wohnheimen, Internaten und Werkstätten leben und arbeiten rund 500 Menschen mit Behinderung, die von 450 Mitarbeitern betreut werden. Seit mehr als 150 Jahren sind Menschen mit Behinderung ein wesentlicher Teil des örtlichen Lebens – und die Stiftung St. Franziskus ist heute einer der großen Arbeitgeber in der Stadt. Wer möchte, kann vor Ort landwirtschaftliche Produkte, Backwaren oder auch Bürsten aller Größen und Formen aus der Bürstenmacherwerkstatt kaufen. Spannend ist ein Besuch im "Garten der Sinne". Hier kann man nachvollziehen, wie blinde und sehbehinderte Menschen ihre Umwelt erleben. Klanginsel, unterschiedliche Gesteinsschicnten oder eine Duftbank sorgen dabei für ganz besondere Erfahrungen.